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E-Mail-Interview zu Bürgerjournalismus

by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 2 minutes.

Vor ein paar Tagen stellte mir “netzjournalistThomas Mrazek im Rahmen einer Beitragsrecherche ein paar Fragen zum Thema Bürgerjournalismus. Einen sehr interessanten Blogtalk mit Thomas Mrazek gab es übrigens gestern beim Weltherrscher. Hier nun aber die vier Fragen und vier Antworten aus dem E-Mail-Interview, das ich Thomas gegeben habe:

TM: Du beobachtest den Bürgerjournalismus sehr akribisch. Bei welchen Medien ist diese Art der Publikumsbeteiligung überhaupt angebracht?

“Lokalzeitungen haben schon immer Bürgerjournalismus betrieben, allerdings nur einseitig für ein eher passives Publikum. Mit den interaktiven Möglichkeiten des Internet können sich Bürger nun selbst aktiv in die öffentliche Meinungsbildung einbringen. Durch die Identifikation mit ihrer Heimatregion kann so insbesondere auf lokaler Ebene ein echter Dialog zwischen Redakteuren und Bürgern entstehen. Bei überregionalen Blättern fehlt diese Bindungskraft der Heimat.”

TM: Welche Formen der Publikumsbeteiligung hältst Du für sinnvoll (Blogs, eigene Leser-Reporter-Plattform)?

“Onlineforen werden schon lange zur Bürgerbeteiligung eingesetzt, jedoch dümpeln diese meist in den Tiefen des Onlineangebots vor sich hin. Individuelle Leser-Blogs unter dem Dach der Zeitungsmarke bieten den Bürgern dagegen eine öffentlichkeitswirksamere Plattform. Hier können sie subjektiv über Alltagsthemen schreiben. Durch den Regionalbezug ergibt sich meist auch eine Relevanz für die Leser der Printausgabe. Durch die crossmediale Verzahnung von Print- und Onlineangebot kann in diesen Fällen die Bürgerbeteiligung konsequent weitergedacht und ins Blatt gehoben werden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Beiträge von Lesern in der Regel sehr subjektiv und meinungsbetont sind. Diese Form der ‘Meinungspublizistik’ geht nicht konform mit etablierten journalistischen Standards, so dass eine Moderation und redaktionelle Einbettung durch den Profi hier unabdingbar ist.”

TM: Bürgerjournalismus gibt es nicht für lau: Ist der Aufwand für Technik und (moderierendes) Personal vertretbar?

“Vor dem Hintergrund sinkender Reichweite bei jungen Lesergruppen und der allgemeinen Verlagerung der Mediennutzung auf Onlinemedien ist der Aufbau von Online-Communities über Strategien der Bürgerbeteiligung eine Investition in die Zukunft der Zeitungshäuser. Bei Projekten wie der Weblog-Community des Trierischen Volksfreund zeigt sich immer wieder, dass sich die Moderation von Themen und der Dialog mit den Lesern bezahlt macht. Entgegen der Meinung mancher Skeptiker zeigen sich in der Praxis sogar Effekte, die dazu beitragen die Qualität der Zeitung zu verbessern.”

TM: Der Pressesprecher des DJV äußerte gestern in der “FAZ” die Befürchtung, dass Leserreporter “langfristig den Personalbestand in den Redaktionen” gefährden könnten. Wie siehst Du das?

“Der gut ausgebildete Journalist wird auch in Zukunft für professionellen Journalismus stehen, wenngleich sich das Berufsbild stark wandeln wird. Medienkonvergentes Arbeiten, Themen- und Community-Management werden als neue Aufgaben hinzukommen. Leser-Reporter sind in der Regel Laien, die keinen professionellen Journalismus produzieren. Es handelt sich vielmehr um Fälle von ‘Zufallsjournalismus’, wenn etwa ein Leser mit seinem Fotohandy einen Unfall noch vor dem Pressefotografen dokumentiert. Leser-Reporter sind kein Ersatz, können aber eine gute Ergänzung darstellen.”