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Zufallsjournalismus

by Steffen Büffel. Average Reading Time: almost 2 minutes.

Netzjournalist Thomas Mrazek hat mir gestern für einen seiner nächsten Beiträge ein paar Fragen zum Thema Bürgerjournalismus und Leser-Reporter zugemailt mit der Bitte, ein paar Statements dazu zu formulieren. In seiner E-Mail hat Thomas auf einen Beitrag in der FAZ vom 25. Juli hingewiesen, in dem Hendrik Zörner, Sprecher des DJV, die Befürchtung äußert, dass Leser-Reporter langfristig den Personalbestand in den Redaktionen gefährden könnten. Eine Pressemitteling des DJV hierzu gibt es hier.

Mal abgesehen davon, dass sich in Lokalredaktionen oftmals sowieso weitaus mehr angelernte Laien tummeln als ausgebildete Journalisten, bin ich der Überzeugung, dass auch in Zukunft der gut ausgebildete Redakteur für professionellen Journalismus stehen wird. Natürlich wird sich das Berufs- und Rollenverständnis stark wandeln: Medienkonvergentes Arbeiten, Themen- und Community-Management etc. werden als neue Aufgaben für Redakteure selbstverständlich werden müssen, um der Konkurrenz durch die elektronischen und digitalen Medien, die Verlagerung der Werbemärkte auf das Web und das sich wandelnde Nutzunsgverhalten der Medienkonsumenten etwas entgegenzusetzen.

Was die Rolle der Leser-Reporter a la der Saarbrücker Zeitung und Co. betrifft, handelt es sich ebenfalls in der Regel um Laien, die keinen professionellen Journalismus produzieren (wollen und können). In Fällen, wo etwa ein Leser mit seinem Fotohandy einen Unfall noch vor dem Pressefotografen dokumentiert, sollte man wohl eher von ‘Zufallsjournalismus‘ sprechen (vgl. dazu auch J.D. Lasica: “Random Acts of Journalism“). In solchen Fällen bietet der Leser-Reporter den Vorteil, dass die Zeitung keinen eigenen Fortografen mehr schicken muss, sondern diesen an anderer Stelle sinnvoller einsetzen kann. Dass trotzdem ein Anruf bei der Polizei notwendig ist, um das gelieferte Material zu verifizieren, ist klar. Außerdem wird das eingeschicket Handyfoto erst dann zu “Journalismus”, wenn es von einem Redakteur des Zeitungshauses aufgegriffen und in die professionelle Berichterstattung des Blattes eingebunden wird.

Insofern gilt in Bezug auf Bürgerjournalisten, Leser-Reporter, Bloggende Leser und Co.: Ergänzen ja, Ersetzen nein. Die vom DJV geäußerte Befürchtung kann ich aus deren altbekannten Sichtweise zwar nachvollziehen, aber es dürfte klar sein, dass für den Abbau von Personal andere Faktoren als irgendwelche Leser-Reporter entscheidend sind.