Tagesspiegel zieht Blogger-Bilanz nach den London-Attentaten
by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 2 minutes.

In der heutigen Ausgabe des Tagesspiegel zieht Autor Marc Felix Serrao aus Anlaß des 1. Jahrestages der Attentate auf London am 7. Juli 2005 eine Blogger-Bilanz zu den “Bürgerjournalisten”, die bei und nach den Attentaten in Form von Handy-Bildern und -Videos, Blogbeiträgen und Kommentaren im Web teilweise quasi-journalistische Funktionen übernommen habe. Insbesondere ein Handyvideo wurde in allen Nachrichtensendungen im Fernsehen immer wieder gezeigt, weil es die einzigen und unmittelbarsten Quellen vom Ort des Geschehens waren.
[Update: Hier war ursprünglich ein Scan der Zeitungsseite positioniert. Sicherheitshalber habe ich den Scan herausgenommen, da der mündlichen Zusage der Verwendungserlaubnis bisher keine schriftliche gefolgt ist.]
Für den Beitrag hat mich der Autor gestern kurz telefonisch befragt. Auf Basis meiner Hinweise ist im Text dann folgende Passage entstanden:
Der Medienwissenschaftler Steffen Büffel forscht an der Universität Trier über Weblogs und Netzwerkkommunikation. Sein Urteil: „Ohne professionelle Hilfestellung funktioniert Amateurjournalismus nicht.“ Für die „Netzeitung” liest der Doktorand als „Moderator“ Manuskripte von Amateurschreibern, die dann in der Leseredition erscheinen. Vieles davon, so Büffel, sei eindimensional und sehr meinungsstark. Vom Begriff „Bürgerjournalismus“ hält er wenig: „Das ist ein idealisiertes Konzept.“ Die meisten Weblogger, er eingeschlossen, würden nur zum Spaß schreiben, fotografieren und filmen. Trotzdem empfiehlt Büffel den Zeitungen, die Szene ernst zu nehmen. Während die Reichweiten von Printpublikationen sinken, wachse die Zahl der Internetnutzer weiter an. Gerade im Lokaljournalismus auf dem Land, wo nicht an jeder Ecke ein Journalist sitze, könnten die Amateure viel zur Berichterstattung beitragen. Für den dafür notwendigen Dialog mit der eigenen Zielgruppe müssten viele Journalisten aber ihr mitunter elitäres Selbstverständnis ändern.
Es ist einfach mal ganz nett, sich richtig wiedergegeben zu sehen, was meiner Erfahung nach meist nicht wirklich der Fall ist. (Update 1: Sich selbst richtig verstanden zu sehen muss nicht heissen, dass andere Leser das genau so tun. Zurecht wird in meinen Kommentaren und hier um Klärung eines Aspekts gebeten) Das mit dem Spass war zwar nicht ganz so gemeint, wie es rüberkommt, aber im Grunde genommen trifft es schon die Masse der Blogger. Viele Blogger bloggen, weil sie bloggen wollen und nicht, weil sie sich als Bürgerjournalisten verstehen. Das ist eine Etikette, die aus der Beobachterperspektive konstruiert wird. Für mich persönlich ist das Bloggen zwar auch Spass, aber ich würde mich eher in die Gruppe der “Visitenkartenbetreiber” einordnen, die im Text ja auch Erwähnung finden. (Update 2: Kleiner Schnitzer ist mir doch noch durch einen Hinweis aufgefallen: Ich moderiere nicht für die Netzeitung, sondern für die Readers Edition.)
Dennoch: Ich mag den Schreibstil des Autors, schade, dass er nicht selbst auch bloggt. Der Text ist gut verständlich geschrieben, vermittelt interessante Fakten und kommt nicht mit einer vorjustierten Perspektive daher. Gut gelungen!
p.s. Ich lasse mir noch eine Printversion der Ausgabe schicken, dann gibt’s wie gewohnt noch den Scan an dieser Stelle, vorausgesetzt ich bekomme die Freigabe.
