Interview zu Weblogs mit dem Südkurier (Rohversion)
by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 4 minutes.
Der Südkurier in Konstanz ist seit kurzem mit einem eigenen Blog-Portal im Netz vertreten. Auf www.suedblog.de kann sich jeder Leser/User kostenlos ein eigenes Weblog einrichten. Wie bei dem hier schon so häufig besprochenen Weblog-Projekt des Trierischen Volksfreund (beide Zeitungen gehören zur gleichen Verlagsgruppe), basiert das System des Südkurier auf der Blogging-Engine der Schweizer Firma Kaywa. Das Suedblog soll im Laufe der kommenden Woche noch einmal in größerem Umfang in der Druckausgabe vorgestellt werden. Teil der Berichterstattung wird ein Interview mit mir sein, dessen Rohversion ich hier schon mal poste. Die Antworten und das Interview insgesamt sind sicherlich noch zu lang, dennoch bin ich für Kommentare, Hinweise und Ergänzungen zu dieser Rohfassung dankbar.
1. Welche Idee steckt hinter Weblogs?
Hinter der Technik steckt die Idee, das Publizieren und den Austausch von Inhalten im Web radikal zu vereinfachen, so dass sich prinzipiell jeder Internetnutzer auch ohne technisches Detailwissen internet-öffentlich äußern kann. Damit wird das Ideal einer “Publizistik des Volkes” verbunden, die in Form miteinander vernetzter Weblogs private und Themen von öffentlichem Interesse diskutiert.
2. Worin liegen die Erfolgsfaktoren von Weblogs?/Was macht Blogs so erfolgreich?
Neben der leichten Bedienbarkeit liegt der Erfolg in der Vernetzung untereinander und der Dialogorientierung von Weblogs. In Weblogs finden sich die Stimmen und ungefilterten Meinungen ihrer Autoren wieder, was den Blogs einen individuellen, subjektiven und authentischen Charakter verleiht. Durch die Vernetzung vieler Blogs zur so genannten Blogosphäre können einflussreiche Gegenöffentlichkeiten entstehen.
3. Warum sollte man bloggen/was ist das besondere?
Wer Spass am kreativen Schreiben hat oder seine Meinung mit anderen diskutieren möchte, kann in Form eines Weblogs seine ganz eigene Talkshow im Web eröffnen. Ob man das Weblog als Tagebuch führt, darin über seinen Job berichtet oder sich zu öffentlichen Themen äußert, ist dann gar nicht mehr so entscheidend. Interessierte Leser und Gleichgesinnte finden sich immer.
4. Welche Vorteile bietet das Bloggen?
Jeder kann für sich das Schreiben als Kulturpraktik wiederentdecken. Statt den Geist durch Massenmedien medial zu betäuben, stellen Weblogs die Befreiuung in die entgegengesetzte Richtung dar. Bloggen ist für mich eine direkte, subjektive und öffentliche Ausdrucksform, durchaus auch zur Selbstdarstellung. Gleichzeitig ist Bloggen ein soziales Phänomen, da sich Menschen darin austauschen und miteinander vernetzen. Das immer noch oft bemühte Bild der sozial isolierten Computer-Freaks könnte in diesem Zusammenhang falscher nicht sein.
5.a Wo liegt der Unterschied zwischen privaten und professionellen Blogs?
Die privaten Blogs SIND die professionellen Blogs. Sie bilden den zentralen Kern der Blogosphäre als ein Teil der Internetkultur. Medien, Unternehmen und Politik sind es, die Weblogs erst noch verstehen müssen. Und selbst wenn sie die Idee hinter der Weblog-Kommunikation verstanden haben gibt es keine Trennung in Profis und Laien. Denn genau diese Grenze wird durch Weblogs aufgehoben – mit allen damit verbundenen Konsequenzen.
5.b Wo liegt der Unterschied zwischen Weblogs und klassischen Medien?
Die klassischen Medien sind nicht wirklich interaktiv, auch wenn viele das aus Marketinggründen von sich behaupten. Echte Interaktivität heisst für mich hier, dass Menschen medial vermittelt in einen direkten Dialog treten können und zwar gleichberechtigt. Klassische Medien leisten dies nicht, Weblogs schon. Über die Kommentarfunktion in Weblogs und die Möglichkeit ihrer Vernetzung entstehen in der Blogosphäre öffentliche Diskurse. Fernsehen, Zeitung und Radio setzen ihrem Publikum dagegen redaktionelle Meinungen ohne direkte Feedbackmöglichkeiten vor.
5.c Wo liegt der Unterschied zwischen Blogging und online Publishing?
Bloggen ist Online-Publishing für Jedermann/frau. Es ist nicht den Verlagen und Medienkonzernen vorbehalten. Hier zeigt sich die demokratische Komponente des Internet. Bloggen beschränkt sich jedoch nicht allein auf das Publizieren von Informationen, sondern durch die genannte Dialogorientierung stellt Bloggen gleichzeitig eine Form des vernetzten Kommunizierens dar. Beim klassischen Onlinepublishing spielt das Publikum keine aktive Rolle, beim Bloggen ist jeder wie in der Face-to-Face-Kommunikation zugleich Sender und Empfänger.
6. Wie sehen Sie die Zukunft der Weblogs in Deutschland?
Im internationalen Vergleich wird Deutschland auch weiterhin als “Klein-Bloggersdorf” belächelt werden, wenngleich ich davon überzeugt bin, dass die Blogs noch weiter in die öffentliche Wahrnehmung rücken werden. Innovative Projekte wie das des Südkurier werden wir vor allem bei regionalen Medienanbietern in nächster Zeit verstärkt sehen. Der Einsatz von Blogs in Unternehmen als PR-Instrument wird deutlich zunehmen, in der politischen Kommunikation werden sie wohl nur zu Wahlkampfzeiten eine Rolle spielen.
7. Was ist der Unterschied zwischen einem Weblog, einem Forum und einem Wiki?
Weblogs muss man sich immer als Teil eines Netzwerks vorstellen. Sie werden in der Regel von nur einer Person betrieben und sind durch Links mit anderen Blogs verbunden. Während es sich bei den Weblogs also um viele Einzelautoren handelt, die dezentral miteinander Kommunizieren, sind bei Foren und Wikis viele Autoren an einem zentralen Ort versammelt. Foren sind dabei chronologisch aufgebaut und dokumentieren die Abfolge von Redebeiträgen in Form einer hierarchischen Baumstruktur. Bei einem Wiki, wie etwa der Onlineenzyklopädie Wikipedia, schreiben dagegen viele Autoren gemeinschaftlich an einem zentralen Text, der durch Links mit anderen kollaborativ erzeugten Texten verknüpft wird.
