Osthoff raucht,
Beckmann zündelt,
der Zuschauer sitzt im Dunst
by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 2 minutes.
Bildquelle: Das ErsteProlog
Susanne Osthoff ist eine streitbare Figur, das mag sein. Sie ist eine Frau, die sich keine Freunde macht, aber auch keine Feinde verdient. Ersteres kann sie sich nicht leisten in ihrer Wahlheimat, ihrem Job = ihrem Leben, zumal nicht als Frau. Das zweite hat sie deswegen nicht verdient, weil sie diesen Job = dieses Leben in dieser Wahlheimat führt. Jeder der glaubt in diesem ihrem Leben rumwühlen zu müssen, verletzt ihre Privatsphäre (dieses Blogposting ist selbst nicht ganz frei davon). Das Dilemma in dem Susanne Osthoff steckt war, ist und bleibt es, dass es vollkommen egal ist ob sie schweigt wie zu Beginn oder wie zuletzt öffentlich redet. Die Medien berichten was sie wollen, mit oder ohne Osthoff.
Meilensteine der Mediengeschichte(n)
Ihr Auftritt bei Beckmann war ein weiterer Meilenstein in dieser und vielleicht auch in der Mediengeschichte allgemein. Die Medien kommen nicht aus ihrem schizophrenen Korsett heraus einerseits Aufklärung (leisten) zu wollen und andererseits die wahrgenommene öffentliche Meinung zu bedienen. Der Einstiegsfilm in die gestrige Beckham Beckmann-Show erzählte die Osthoff-Geschichte als Medien-Geschichte in ihren von den Journalisten als wichtig erachteten Etappen, untermalt von dramatisch, “orientalisch” anmutender Musik. Soviel zum Thema “sachliche Aufklärung”, das ist boulevardesk-verzerrende Medien-Realität! Susanne Osthoff folgte der Einladung von Beckmann, um ihre Version zu schildern: Osthoff-Realität!
When world’s collide
Was passiert, wenn Medien-Realität und Osthoff-Realität aufeinandertreffen? Weltbilder kollabieren – und Beckmann gleich mit. Beckmann – halb saß, halb lag er, unterlag er ihr – reduzierte sich selbst darauf, in die Lücken des Rauch- und Redeschwalls von Susanne Osthoff abwechselnd seine falschen Fragen oder seinen zündelnden Arm zu schieben.
Susanne Osthoff ist in ihrer ihr eigenen Art nicht die Klischeegeisel, die wir alle in unserem Kopf haben. Sie bedient nicht die Schemata unserer westlichen Sozialisation und Zivilisation – auch wenn sie genau dieser Zivilisation entstammt. Klar, dadurch wirkt sie in unseren Augen wirr und irr, was sie nach all dem Erlebten in Teilen vielleicht auch ist. Die in den Medien propagierte, aber in der Form wohl kaum existierende Entrüstung “der Öffentlichkeit”, speist sich aus der vojeuristischen Gier der Medien und deren zwanghaftem Trieb Quote machen zu wollen (zu müssen) vor einem imaginierten Massenpublikum.
Verstehen wollen, verstanden werden,
Verstehen Sie Spass?
Susanne Osthoff w0llte verstanden werden. Beckmann gab vor verstehen zu wollen. Doch er wollte ganz offenkundig nur unter den Bedingungen der Medien-Realität verstehen ohne jegliche Flexibilität, für einen Moment Osthoffs-Realität als eine mögliche Alternative ernsthaft zu akzeptieren. Statt dessen versucht er Osthoff die Medien-Realität überzustülpen ohne auch nur im Ansatz ihre (medien-)kritischen Äußerungen wahrzunehmen. Er hat nicht kapiert: Osthoff kann man nur verstehen, wenn man ihre Einstellung zum Leben als Option zulässt, soweit diese auch den gängigen Mustern entgegenstehen mag.
Die ultimative Selbstentlarfung der medialen Farce und des Beckmann’schen Formats kam dann am Ende der Sendung, als Beckmann das Ehepaar Paola und Kurt Felix als Gäste seiner nächsten Sendung ankündigte. Wenigstens das hätte man sich sparen können. Postman hat an der Stelle wohl tatsächlich recht, dass wir uns noch zu Tode amüsieren.
