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Weblogs & Co in der Lehre (II)

von Steffen Büffel. durchschnittliche Verweildauer: about 2 minutes.

Gestern hatte ich meine erste reale Sitzung mit meinen Studis im Seminar „Netzwerkmedium Internet„. An anderer Stelle hatte ich ja schon ein paar Hintergründe zu dem Seminar und dem Seminarkonzept gepostet. Was die Studis in ihren Blogs zu den drei Fragestellungen geschrieben haben war total spannend zu lesen.

Offenbar sind Studierende mittlerweile voll im Internet angekommen. Nahezu alle berichten bei der Behandlung der ersten Aufgabe, nämlich zu schildern was für sie persönlich das Internet bedeutet, dass sie mittlerweile wenn nicht alles dann aber doch sehr viel online erledigen. Die Mediennutzungsgewohnheiten haben sich verschoben, weg von Fernsehen, Radio und Zeitung, hin zum Allround- und All-inclusive Medium Internet. Die Zukunftsvisionen zum Web im Jahr 2020, die im dritten Posting zu behandeln waren, sind alle recht ähnlich ausgefallen. Die Visionen der Studierenden sind zum großen Teil eher optimistisch bis euphorisch, vor allem in Bezug auf die technischen Weiterentwicklungen. Auch glauben einige, dass der Digital Divide sich verringern und die Chancengleichheit gesteigert werden wird. Der auch andernorts viel zitierte Kühlschrank mit Internetanschluss wurde mehrfach genannt. Offenbar scheint es leichter zu sein die technische Evolution des Internet weiterzudenken als die sozialen und gesellschaftlichen Möglichkeiten und Konsequenzen mit und durch das Internet in die Zukunft zu projizieren.

Was in der Sitzung selbst dann eine ganz nette Übung in dem Zusammenhang war: Wir haben uns gemeinsam die Website Imagining the Internet angeschaut. Auf der Website wurden und werden Vorhersagen zur Zukunft und zum Einfluss des Internets aus verschiedenen Jahrzehnten gesammelt. Eine wahre Fundgrube toller Zitate, Visionen, Utopien und Dystopien. Hinter dem Projekt stecken die Elon University und das Pew Internet & American Life Project, das immer wieder durch aktuelle und sehr interessante Umfragereports glänzt. Spannend ist der Predictions Survey von 2004, in dem Keyplayer aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zum Web im Jahr 2014 befragt wurden (USA-lastig).

Zurück zu meinem Seminar und den Weblogs der Studierenden: Was ein absoluter Vorteil ist, Weblogs auf diese Weise einzusetzen, ist, dass die Studierenden authentischer rüberkommen. Mit Kreativität und dem ganz eigenen individuellen Ansatz wurden die drei Fragen in den Postings beantwortet. Dadurch konnte ich viel genauer abschätzen wie sich die Gruppe zusammensetzt, wie sich das Kompetenzniveau der Gruppe darstellt und demgemäß, wie ich das Seminar im weiteren Verlauf strukutieren sollte. Interessant auch, wie sich der Schreibstil in den Blogs von dem unterscheidet was ich bekommen hätte, wenn der Auftrag gewesen wäre, zwei DIN-A4-Seiten abzugeben. Zusätzlicher Vorteil der Weblogs ist, dass die Studierenden Kommentare von „Aussen“ bekommen, also nicht nur sich selbst gegenseitig kommentieren und verlinken, sondern auch Fremde durch Zufall im Blog landen und Kommentare absetzen. Eine Erweiterung des Seminars um Real-Life-Bedingungen, was zusätzlich motivierend sein dürfte.

Bisher geht das etwas andere Seminarkonzept mehr als auf und ich hoffe, dass die Studis weiterhin so mitziehen und merken, dass sie auf diese Weise mehr und anders lernen als in einem klassischen Seminar. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Formen der Netzwerkkommunikation geht es mir nämlich auch darum, den Teilnehmern Medienkompetenz im Umgang mit diesen neuen Kommunikationsformen zu vermitteln.

Im nächsten Schritt wird es darum gehen, RSS und andere Formen der Content-Aggregation kennen- und einsetzen zu lernen. Nächste Woche gibt’s dann auch hier wieder mehr zum Thema Weblogs & Co in der Lehre…