Bloggen als Diskussionskultur

Nach ein paar Tagen Abstinenz zurück in Klein-Bloggersdorf. Neben dem Schreiben an der Diss recherchiere ich zwischendurch ein wenig für einen Vortrag slash Mini-Workshop, den ich die Tage in der Redaktion einer Regionalzeitung abhalten werde. Es soll darum gehen, Blogpraktiken und Potentiale von Weblogs für lokale Publizistik vorzustellen, zu vermitteln und zu diskutieren.

Zu diesem Zweck habe ich mir nochmal verschiedene Diskussionen zum Verhältnis Blogger vs. Journalisten angesehen, z.B. hier, hier und hier sowie Qualitäts- und Selbstverständnisdebatten in der Blogosphäre nachgelesen, z.B. hier, hier und hier.

Vor dem Hintergrund der kürzlich hier bei mir und andernorts (hier, hier, hier, hier und hier) geführten Debatte zum Verhältnis Wissenschaftler vs. Blogger, die durch die Umfrage “Wie ich blogge 2005” nochmal neuen Schwung bekommen und interessante, kontroverse, kritische Sichtweisen zu Tage befördert hat, wird mir immer wieder klar, nicht nur dass, sondern auch warum Journalisten, Politiker, Wissenschaftler und so manch andere Spezies (including some bloggers!!!) keine Ahnung davon haben, was da in und durch Weblogs gerade entsteht. Ups, das war gerade ein einziger Satz! DAMN! Viel zu oft werden Weblogs verkürzt betrachtet als Buzzword, als Marketing- oder politisches Propagandainstrument, als hippes Thema, das es mal eben schnell im Blatt zu besetzen gilt oder als Untersuchungsgegenstand, den man an tradierten wissenschaftlichen Theorien misst ohne wirklich genau hinzuschauen. Okay, das gehört dazu! Das muss vielleicht auch so sein! Aber mich interessiert der Kern des Ganzen!

Für mich ist Bloggen Diskussionskultur (von Primitiv- bis Hochkultur), entweder mit sich selbst, mit 4-5 Lesern oder mit duzenden, manchmal hunderten engagierten und interessierten Menschen die mitmachen und sich einmischen. Genau darin liegt für mich die Qualität der Weblogs: Die Qualität, über die technische Infrastuktur einen kreativen, subversiven, dynamischen und vernetzten Raum durch Kommunikation zu erzeugen. Und dazu gehören die Teenie-Tagebücher genauso, wie die A-Z-List-Blogger oder die ersten Blogversuche der deutschen MSM.

Eigentlich ist mir Bloggen viel zu anstrengend und oftmals zu time-consuming. Doch die Erfahrung zeigt: Nur wenn man es selbst ausprobiert und sich auf den Sense- und Nonsense der Blogosphäre einlässt, bekommt man ein Gespür dafür, dass man Teil dieses größeren Ganzen ist – Teil eines technischen, kommunikativen, sozialen, kulturellen Netzwerks, das für den einen aus den 5 befreundeten Lesern des eigenen Blogs besteht, für den anderen aus täglich 10.000 Besuchern und einem Stammplatz in der Top-10.

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