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Nachlese ZKM-Tagung (II)

von Steffen Büffel. durchschnittliche Verweildauer: about 4 minutes.

Hier nun der zweite Teil meiner Nachlese zur Tagung am ZKM. In meinem ersten Posting habe ich vor allem die Organisation und Moderation kritisch bewertet. Auch Andreas von Glück auf! kommt in diesem Punkt zu einer ähnlichen Einschätzung.

Was die Vorträge betrifft, so waren diese in den ersten beiden Themenforen zu Weblogs und dann zu Podcasting aus ganz unterschiedlichen Gründen sehr interessant, gleichzeitig aber aus eben so unterschiedlichen Gründen ziemlich schwach:

  1. Michael Mangold [ZKM]

folgt…

  1. Prof. Dr. Claus Leggewie [ZMI]

folgt…

  1. Don Alfonso [Rebellmarkt]

Er vermittelte den Eindruck, dass er der Beste, Größte, Schönste ist, im Vergleich zu Leuten, die RSS nutzen den längeren S…. hat. Ansonsten viel Fäkal- und „Ich sag’s mal auf gut Deutsch“-Sprache. Er spielt da eine Rolle, die er – wenn man sich drauf einlässt – gut spielt, aber ich finde er sollte sich mit der Rolle auf sein Blog beschränken. Polarisieren und Provozieren ist das eine, permanent unter der Gürtellinie in einem öffentlichen Raum zu agieren, in dem sich Menschen zum miteinander Diskutieren treffen, ist vollkommen daneben, un-kommunikativ und damit auch un-sozial. Angefangen bei den eigenen Studenten, der deutschen Journalistenschule, RSS-Nutzern, bis zu den Kommunikationswissenschaftlern und Teilen der vor Ort und virtuell anwesenden Teilnehmern, bekamen alle ihr Fett weg.

Irritation zu erzeugen kann gut sein für Diskussionen aber die Art und Weise wie Don Alfonso durch sein Auftreten die Diskussion nach dem Weblog-Panel vergiftet hat geht einfach nicht. Der Moderator liess es zu, wenige der anderen Panelteilnehmer wehrten sich und auch das Plenum hielt sich bis auf 1-2 Wortmeldungen zurück.

Abgesehen von dem unmöglichen Auftreten konnte ich aber dennoch nach Subtraktion sämtlicher „S“- und „F“-Wörter und der Rückübersetzung der gemachten Aussagen in einen angebrachten Umgangston Teile seiner Argumente durchaus nachvollziehen. Es steckte auch viel Wahres in Don’s Anmerkungen. Dem Rahmen der Veranstaltung angepasst vorgetragen, hätte das ein echter Gewinn für die Tagung und die Diskussionen sein können.

Das nächste mal vielleicht etwas mehr Rainer Meyer und weniger Don Alfonso…

  1. Johnny Haeusler [Spreeblick]

Johnny war vom Vortrag und seiner Diskussionkultur her der überzeugenste Redner im Themenforum Weblogs. Sein Vortrag mutierte zum Live-Blogging Event auf der Bühne, unterhaltsam ergänzt durch Anmerkungen zum Corporate-Blogging. Ihm nehme ich ab, dass er das, was er da tut auch lebt. Er ist das, was ich als authenthisch bezeichne. DIE zentrale Qualität eines Menschen und eines Bloggers. Da kann Mr. Fake „Ich sag alles auf gut Deutsch“ nicht wirklich mithalten.

Johnny stellte sich der Diskussion und verhielt sich darin auch kommunikationsbereit. Ich hatte das Gefühl er hätte am liebsten direkt ein Fläschchen Rotwein aufgemacht und die ganze Nacht weiterdiskutiert. Spannend wären da sicherlich die Fragen nach den Bild- und Persönlichkeitsrechten, Grenzen und Grenzenlosigkeit bezogen auf Inhalte und Freizüggkeit in der Blogosphäre, sowas wie Jugendschutz sowie Blogkultur und deren Stellenwert gewesen. Der Vortrag von Johnny hat definitv noch mehr Lust auf die Spreeblick-Session im Dezember gemacht…

Ganz nebenbei finde ich Keynote von Apple eine geniale Präsentationssoftware… ;-)

  1. Prof. Dr. Christoph Neuberger [Uni Münster]

Als Medienwissenschaftler und jemand, der sich auch gerade intensiv mit Studien zur Weblog-Kommunikation beschäftigt, bot der Vortrag von Prof. Neuberger nicht sehr viel Neues. Dennoch war es denke ich für einige im Publikum mal interessant, ein paar Zahlen und wissenschaftliche Erkenntnisse geboten zu bekommen. Schade war, dass Herr Neuberger seine Folien nicht stärker dazu genutzt hat, die vielen zitierten Studien in eine Ordnung zu bringen. Wenn man schon viele Studien heranzieht, dann wäre am Ende eine Folie mit den Quellen hilfreich gewesen, so dass man selbst bei Interesse nachlesen kann. Ich hätte es gut gefunden, wenn sich der Vortrag auf ein paar wenige zentrale Erkenntnisse der bisherigen Forschung zu Weblogs beschränkt, diese kurz erläutert und dann direkt zur Diskussion gestellt hätte. Eine solche interaktive Öffnung des Vortrags hätte die Chance geboten, die US-Erkenntnisse mal aus Sicht der deutschen Blogosphäre genauer zu betrachten. So wirkte der Auftritt leider etwas belehrend und war für das nicht-wissenschaftliche Publikum wohl etwas zu abstrakt. Dies birgt die Gefahr, dass zwischen Bloggern, Wissenschaftlern und interessierten „Laien“ bestehende Vorbehalte verstärkt statt entkräftet werden.

Sonderlich fand ich dann noch, dass sich der Kommunikationswissenschaftler kaum gegen die Angriffe aus der Alfonso-Ecke gewehrt hat. Der Hinweis von Don Alfonso, dass Herr Neuberger über etwas spricht, von dem er deswegen keine Ahnung habe, weil er selbst kein eigenes Blog führe, blieb unkommentiert. Wäre schon interessant gewesen mal das Verhältnis Blogger und Wissenschaftler noch genauer zu thematisieren – dann aber sachlich und nicht so polarisierend emotional wie Confrontainment-Experte Alfonso.

Meine Kommentare und Eindrücke aus den einleitenden Vorträgen von Mangold und Leggewie folgen…