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Nachlese ZKM-Tagung (I)

von Steffen Büffel. durchschnittliche Verweildauer: almost 4 minutes.

Seit heute morgen um 10 Uhr läuft der zweite Teil der Tagung mit dem hochtrabenden Titel und dem namhaften Sponsor am ZKM in Karlsruhe. Seit gestern abend um 10 Uhr beschäftige ich mich wieder mit sinnvolleren Dingen. Warum konnte die Tagung aus meiner Sicht nicht das halten, was sie im Titel zu versprechen schien?

In meinen Augen leben Tagungen…

    … von den Menschen die an ihnen teilnehmen, sei es als Zuhörer, Referenten, Moderatoren oder Organisatoren.
    … von der konstruktiven Kommunikation zwischen den Beteiligten.
    … vom räumlichen und zeitlichen Umfeld, in dem sie durchgeführt werden.

Auf zwei Punkte, Moderation und Organisation, will ich in diesem Posting schonmal eingehen, weitere Postings zur Tagung folgen.

Die Moderation

Vor dem Hintergrund dieser Rahmenbedingungen finde ich es riskant einen Moderator einzusetzen, der mit der behandelten Thematik nur wenig vertraut ist. Gut, er hat dies selbst direkt zu Beginn der Tagung eingeräumt, aber dann erwarte ich als Besucher, dass die Moderatorenrolle ansonsten kompetent ausgefüllt wird. Hierzu gehört unter anderem, dass die Einführung der Referenten faktensicher, souverän, kurz und bündig ausfällt. Was die inhaltliche Unvoreingenommenheit betrifft, gibt sie dem Moderator die riesige Chance auch selbst neugierige oder gar naive und dennoch wichtige Fragen zu stellen. Das ist ein großer Vorteil auch gerade dann, wenn das Plenum wie in Karlsruhe bunt gemischt und imhomogen aus Bloggern der A bis Z-List, Journalisten, Wissenschaftlern, Studierenden besteht. Man hat gemerkt, dass zwar alle an dem Thema der Tagung interessiert sind, aber mit vollkommen unterschiedlichen Wissenvoraussetzungen angereist sind. Ich sehe das nicht als Nachteil sondern als Vorteil. Nur muss dieses Potential gerade von der Organisatoren im Vorfeld antizipiert, in die Tagungsorganisation integriert und im Speziellen vom Moderator während der Tagung auch aktiviert werden.

Diese Chance wurde nicht genutzt. Statt dessen wurde das Zeitmanagement mal lax, mal streng gehandhabt. Fragen wurden einmal direkt beantwortet, dann wieder gesammelt, so dass es für das Plenum und die Referenten teilweise schwierig war den Überblick zu behalten. Der Reihenfolge der Wortmeldungen wurde darüberhinaus vollkommen inkonsequent gefolgt. Dieser Mangel an Strukturierung durch die Moderation nutzten dann auch vor allem einige der wissenschaftlichen Vertreter dazu, in den Diskussionen ihre als Fragen getarnten Redebeiträge in teilweise minutenlangen, abstrakten und selbstdarstellerischen Phrasenteppichen auszubreiten. Wie soll da bei der eh schon knapp bemessenen Zeit eine wirkliche Diskussion zustandekommen?

Im Endeffekt haben sich Plenum und Referenten weitestgehend selbst moderiert, was in der Blogosphäre funktionieren mag, aber bei einer klassischen Tagungssituation nicht sehr weit führt.

Update: Pöbler und Andreas sind ähnlicher Meinung.

Die Organisation

Tagung = Socializing! Neben den Vorträgen sind es doch vor allem auch die Pausen und das Drumherum, bei dem sich interessante neue Kontakte, Themen und Gespräche ergeben. Gerade eine Tagung, bei der es vom Gegenstand her um soziale Netzwerke, Social Software, demokratische Partizipationsszenarien usw. in und durch neue Medien geht, müsste doch genau das auch zum Prinzip erheben. Wieso nicht alle Teilnehmer statt auf einer Papierliste (bei der noch nicht einmal die Weblg-Adresse abgefragt wurde) im Rechner erfassen, von jedem ein kleines Bild schiessen, daraus eine FlickR-Gallerie basteln und per Beamer in der Pause an die Wand geworfen? Wieso nicht die Technologien, die Socializing im Netz ermöglichen auch bei so einer Tagung einsetzen?

Statt dessen: Nametags nur für Referenten, was es dann gerade in den Kaffeepausen in der Kantine des ZKM schwierig macht zu wissen, wer gehört jetzt zur Tagung und wer nicht. Eine Liste der angemeldeten Teilnehmer zu Beginnder Tagung gehört meiner Meinung nach auch zu den Basics. Viele simple Möglichkeiten blieben ungenutzt, über entsprechende Rahmenbedinungen ein wirkliches Tagungsfeeling zu etablieren und einfach auch Spass zu vermitteln.

So blieb es dem Einzelnen selbst überlassen sich einen Überblick über die Teilnehmer zu verschaffen. Das geht natürlich, aber mit den beschriebenen Mitteln hätte man das ja auch in den Vorträgen erwähnte community-building und -bonding maßgeblich unterstützen können. All das ist deswegen auch so ärgerlich, weil es nicht die erste Tagung zum Thema Weblogs und Co. war. Bereits beim ersten Blogtalk in Wien gab es bereits im Vorfeld auf der Tagungswebsite ein Forum zum Austausch, das auch im Nachhinein für lebhafte Diskussionen zum Thema und zur Optimierung von Tagungen dieser Art genutzt wurde.

Tagungen zu organisieren und durchzuführen ist keine leichte Aufgabe, es ist viel leichter zu kritisieren. Aber es ärgert mich, wenn nicht wenigstens der Versuch unternommen wurde, von den Erfahrungen vergleichbarer Tagungen aus der Vergangenheit zu lernen und die meiner Meinung nach so offensichtlichen Möglichkeiten nicht zu nutzen.

Meine Eindrücke zu den Vorträgen und Diskussionen der beiden Panels folgen.

Update: Eine FlickR-Gallerie gibt es mittlerweile von einem der Besucher, und zwar hier. [via OliverG]